Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag
Teutsche Arien (
Teutsche Arien, Welche auf dem Kayserlich=privilegirt=Wiennerischen Theatro in unterschiedlich producirten Comoedien, deren Titul hier jedesmahl beygerucket, gesungen worden (ÖNB Cod. 12706, Frontispiz)
Godefridus [Gottfried] Prehauser (1699-1769); Frontispiz zu ?Der Wienerische Hannßwurst oder lustige Reysebeschreibung aus Salzburg in verschieden Länder?. Hrsg. von Gottfried Prehauser. Pintzkerthal, Wien 1787. Anonymer Holzschnitt, um 1787 (Wien Museum)

Ariensammlung - Edition und Kommentar

 

Hinter dem Kurztitel Ariensammlung verbirgt sich ein Basisdokument der österreichischen und europäischen Theatergeschichte im 18. Jahrhundert. Der vollständige Titel dieser Ariensammlung lautet Teutsche Arien, Welche auf dem Kaÿserlich-privilegirt-Wiennerischen Theatro in unterschiedlich producirten Comoedien, deren Titul hier jedesmahl beÿgerucket, gesungen worden. Sie ist in zwei jeweils vierbändigen Handschriften überliefert; die eine liegt in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (Cod. 12706-12709), die andere, bislang kaum rezipierte, in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar (HAAB Q 592 c [1-4]).

 

Die Ariensammlung enthält mit wenigen Ausnahmen Arien-Texte aus Stücken, die im Zeitraum von ca. 1737 bis 1757 im Wiener Kärntnertor-Theater aufgeführt wurden. Zu den insgesamt 261 Stücken zählen Tragoedien, Tragi-Comoedien, Comoedien, Bourlesquen, Pièces comiques, Satiren, Pantomimen, Maschinen-Comoedien und Haupt-Aktionen. Zwei der Stücke zeigen die Rezeption des Don Juan-Stoffes in Wien um 1750 sowie dessen Bezüge zum Faust-Stoff; die Tragi-Comoedie Der Ertz-Zauberer Ioannes de Luna (Nr. 121, Bd. 3, S. 7-15) und die Comoedie Bernardon Der Ruchlose Juan del Sole (Nr. 135, Bd. 3, S. 126-146). Neben den rund 1650 Arien-Texten - unter diese Bezeichnung fallen auch Duette, Terzette, Quartette, 'Vaudevilles' sowie Chöre und Rezitative - finden sich mehrfach durch die Angabe NB (Nota Bene) gekennzeichnete Didaskalien, Anmerkungen zur szenischen Realisierung, und bisweilen Szenarien, Beschreibungen der Handlung. Einzelnen Stücken ist ein Argumentum vorangestellt, das über die Vorgeschichte informiert.

 

Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist keine vergleichbar umfangreiche Sammlung von Texten des deutschsprachigen populären Theaters bekannt: Die Wiener Handschrift umfasst im 1. Band 673 (Nr. 1-53), im 2. Band 651 (Nr. 54-119), im 3. Band 639 (Nr. 120-185) und im 4. Band 696 Seiten (Nr. 186-261) Text. Die frühe Entstehungszeit und ihr Umfang verleihen der Ariensammlung nicht nur für die Erforschung des populären Theaters in Wien, sondern auch für die Geschichte des europäischen Theaters eine nicht zu unterschätzende Relevanz.

 

Max Pirker edierte und kommentierte äußerst umfangreich die ersten beiden Bände der Ariensammlung in den Jahren 1927 und 1929 (vgl. Max Pirker [Hg.]: Teutsche Arien, Welche auf dem Kayserlich=privilegirten Wienerischen Theatro in unterschiedlich producirten Comoedien, deren Titul hier jedesmahl beygerucket, gesungen worden. Cod.ms. 12706-12709 der Wiener Nationalbibliothek. Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Max Pirker. Band 1-2. Wien, Prag, Leipzig: Ed. Strache, 1927-1929). Nach Pirkers Tod wurde Robert Mülher vorübergehend mit der Fortsetzung der Edition betraut, doch kam es zu keiner Publikation des dritten und vierten Bandes. So ist eine vollständige Edition der Ariensammlung incl. Kommentar nach wie vor ein Forschungsdesiderat. Das Don Juan Archiv setzt sich zum Ziel, diese Lücke zu schließen und damit die Grundlage für eine Rezeption der Ariensammlung zu schaffen, wie diese sie aufgrund ihrer Bedeutung verdient.

 

Projektbetreuer: Matthias J. Pernerstorfer

 

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Letztes Update: 21.10.2014