Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag
Katalog "Mauerbach" - Benefiz Auktion im MAK in Wien - Oktober 1996
Katalog "Mauerbach". Items seized by the National Socialists to be sold for the Benefit of the Victims of the Holocaust" der Benefiz Auktion im MAK in Wien am 29. und 30. Oktober 1996. (Katalog aus dem Don Juan Archiv Wien)

Komplex Mauerbach - Kurze Geschichte

 

Während des Zweiten Weltkrieges wurde den NS-Behörden klar, dass die Bombardierungen auch die zusammengetragenen und geraubten Kunstwerke zerstören könnten. Nun wurde begonnen, diese aus den hoch gefährdeten Städten in diverse Einlagerungsorte auf dem Land zu transportieren. Eine große Einlagerungsstätte auf dem Gebiet des heutigen Österreichs war das Salzbergwerk Altaussee, in dem ab 1943 Einlagerungen durchgeführt wurden. Ab Jänner 1944 begann die Einlagerung des riesigen Bestandes von Kunstschätzen, der unter dem Namen „Sonderauftrag Linz“ für das „Führermuseum“ zusammengetragen worden war – ein großer Teil dieses Bestandes stammte aus beschlagnahmtem jüdischem Eigentum. Ferner wurden Kunstgüter aus Deutschland und aus vom deutschen Heer besetzten Gebieten eingelagert, u.a. der Bestand der Schack-Galerie München, Kunstwerke aus dem Kloster Monte Cassino und der berühmte Genter Altar. Gegen Ende des Krieges befanden sich mehr als 7.000 Gemälde der bedeutendsten europäischen Maler, tausende Zeichnungen, hunderte Skulpturen, ganze Bibliotheken, bedeutende Möbel und Juwelen in den Stollen des Salzbergwerks. „Der Gesamtwert der eingelagerten Kunstwerke würde nach den heutigen Wertmaßstäben 50 Milliarden Euro bei weitem überschreiten.“ ( 1 ) Unter den Kunstschätzen befanden sich auch Bücher, darunter der „Komplex Mauerbach“.

Nach Kriegsende 1945 begannen die Amerikaner umgehend mit dem Abtransport der Kunstwerke zum Collecting Point München. Alle Gegenstände wurden so bald wie möglich ihren rechtmäßigen Eigentümern oder deren Erben zurückgegeben. Kunstgüter, deren Herkunft nicht festgestellt werden konnte – darunter der „Komplex Mauerbach“ – wurden in den folgenden Jahren an die österreichische Verwaltung übergeben, die Theatersammlung im März 1949. Im Jahr 1969 wurde sie in der  Kartause Mauerbach gemeinsam mit anderen „herrenlosen Kunstobjekten“ eingelagert.

 

Es handelte sich dabei um antike und mittelalterliche Skulpturen, Münzen, Teppiche und Bücher sowie vorwiegend um Gemälde des 18. / 19. Jahrhunderts.  Die Rückgabe der seinerzeit von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke an ihre rechtmäßigen jüdischen Eigentümer wurde in Österreich durch die Verabschiedung von zwei Gesetzen in den Jahren 1969 und 1986 ( BGBl 1969/294 und BGBl 1986/2 ) vorangetrieben.

Im Jahre 1995 gingen die nicht restituierbaren Bestände, nun "Sammlung Mauerbach" genannt, durch ein Gesetz des österreichischen Parlaments in das Eigentum der Föderation österreichischer jüdischer Gemeinden über: unter der Bedingung, dass die Werke zum Wohle der Opfer des Holocaust versteigert würden. Die Israelitische Kultusgemeinde erklärte sich bereit, die Kunstgegenstände aus der Kartause Mauerbach zu übernehmen und einer Versteigerung zuzuführen. Die dazugehörige gesetzliche Basis wurde im Nationalrat im Sommer 1995 ( BGBl 1995/515 ) geschaffen  ( 2 ).

Am 29. und 30. Oktober 1996 kam der gesamte bewegliche Bestand  durch das britische Auktionshaus Christie's im Wiener Museum für angewandte Kunst zur Versteigerung. Die Auktion brachte einen Erlös von 122 Millionen Schilling - bzw. laut unterschiedlichen Quellen schwanken die Angaben zwischen genannter Summe und 155 Millionen  ( ca. zwischen 9 und 11 Millionen Euro ). Davon wurden 12 Prozent für politische Verfolgungsopfer den drei Opferverbänden übergeben, der Hauptteil sollte bedürftigen jüdischen Opfern zugute kommen ( 3 ).

Mauerbach Benefit Sale

"Mauerbach Benefit Sale"

Items seized by the National Socialists to be sold for the benefit of the victims of the Holocaust /

Versteigerung der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke zugunsten der Opfer des Holocaust /

 

Der Auktion war folgendermaßen aufgebaut ( 4 ): 

29. Oktober 1996

  • Old Master Pictures, Miniatures, Drawings and Prints ( Lots 1-152 )
  • 19th Century Continental Pictures, Watercolours and Drawings ( Lots 201-418 )
  • 19th Century Continental Pictures, Watercolours and Drawings ( Lots 501-585 )
  • Modern Pictures ( Lots 586 )

30. Oktober 1996

  • Furniture and Decorative Arts, inculding Tapestries, Carpets, Antiquities, Arms and Armour, Literature and Sculpture ( Lots 601-774 )
  • Coins and Medals ( Lots 801-1045 )

       

      Zur Gruppe "Literature: Books and Manuscripts" ( Lots 738-760 )  gehörte ein Bestand von Theatertextbüchern und Libretti ( im Katalog: "Theaterstücke" ) vornehmlich des 18. und 19. Jahrhunderts ( Lots 749-760 ), nach den Angaben des Versteigerungskataloges ca. 2.890 Bände. Alle 12 Lots wurden von H. E. Weidinger ersteigert und erhielten den Namen "Komplex Mauerbach". Laut der Nummerierung der Büchlein durch das Autkionshaus handelt es sich dabei um genau 2.972 Stück, woraus sich laut dem jetzigen Katalogisierungsstand des Don Juan Archiv Wien in etwa 3.592 Theatertexte ausmachen lassen.

      Wissenschaftliche Aufarbeitung der Theatertexte

      Im Jänner 2007 hat das Don Juan Archiv Wien die Aufgabe übernommen, diesen von seinem jetzigen Eigentümer "Komplex Mauerbach" genannten Bestand an Theatertexten wissenschaftlich aufzuarbeiten. [mehr...]

       

       

      ANMERKUNGEN

      ( 1 ) Wolfgang Weiß: "Vorsicht Marmor - nicht stürzen!" Die wahre Geschichte über die Rettung der Kunstschätze in den Salinen von Altaussee 1945. Graz: Ares, 2009, S. 10.  [ zurück ]

       

      ( 2 ) Brigitte Bailer-Galanda. Die Entstehung der Rückstellungs- und Entschädigungsgesetzgebung. Die Republik Österreich und das in der NS-Zeit entzogenen Vermögen. Wien, München: Oldenbourg 2003, S. 562-563. Sowie vgl. Anja Heus. "Der 'Mauerbach-Schatz'", in: kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften. 2/1997, S. 25-28. [ zurück ]

       

      ( 3 ) Brigitte Bailer-Galanda, ebenda. [ zurück ]

       

      ( 4 ) Vgl. Mauerbach. Items seized by the National Socialists to be sold for the Benefit of the victims of the Holocaust. Versteigerung der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke zugunsten der Opfer des Holocaust. MAK-Österreichisches Museum für Angewandte Kunst. Christie's Vienna 29 and 30 October 1996. [ zurück ]

        

      ( gcp )

       

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      Letztes Update:  5. December 2011
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