Kunstgegenstände aus jüdischem Besitz, die von hohen Funktionären und Machtträgern des NS-Regimes requiriert worden waren, gingen nach dem zweiten Weltkrieg als "Sammlung 'herrenloser' Kunstobjekte" ( 1 ) ins Eigentum des Bundes über. Es handelte sich dabei um antike und mittelalterliche Skulpturen, Münzen, Teppiche und Bücher sowie vorwiegend um Gemälde des 18. / 19. Jahrhunderts. Diese wurden ab 1955 in der ehemaligen Kartause Mauerbach im Wienerwald aufbewahrt. Die Rückgabe der seinerzeit von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerke an ihre rechtmäßigen jüdischen Eigentümer wurde in Österreich durch die Verabschiedung von zwei Gesetzen in den Jahren 1969 und 1986 ( BGBl 1969/294 und BGBl 1986/2 ) vorangetrieben.
Im Jahre 1995 gingen die nicht restituierbaren Bestände, nun "Sammlung Mauerbach" genannt, durch ein Gesetz des österreichischen Parlaments in das Eigentum der Föderation österreichischer jüdischer Gemeinden über: unter der Bedingung, dass die Werke zum Wohle der Opfer des Holocaust versteigert würden. Die Israelitische Kultusgemeinde erklärte sich bereit, die Kunstgegenstände aus der Kartause Mauerbach zu übernehmen und einer Versteigerung zuzuführen. Die dazugehörige gesetzliche Basis wurde im Nationalrat im Sommer 1995 ( BGBl 1995/515 ) geschaffen ( 2 ).
Am 29. und 30. Oktober 1996 kam der gesamte bewegliche Bestand durch das britische Auktionshaus Christie's im Wiener Museum für angewandte Kunst zur Versteigerung. Die Auktion brachte einen Erlös von 122 Millionen Schilling - bzw. laut unterschiedlichen Quellen schwanken die Angaben zwischen genannter Summe und 155 Millionen ( ca. zwischen 9 und 11 Millionen Euro ). Davon wurden 12 Prozent für politische Verfolgungsopfer den drei Opferverbänden übergeben, der Hauptteil sollte bedürftigen jüdischen Opfern zugute kommen ( 3 ).
Mauerbach Benefit Sale
"Mauerbach Benefit Sale"
Items seized by the National Socialists to be sold for the benefit of the victims of the Holocaust /
Versteigerung der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke zugunsten der Opfer des Holocaust /
Der Auktion war folgendermaßen aufgebaut ( 4 ):
29. Oktober 1996
- Old Master Pictures, Miniatures, Drawings and Prints ( Lots 1-152 )
- 19th Century Continental Pictures, Watercolours and Drawings ( Lots 201-418 )
- 19th Century Continental Pictures, Watercolours and Drawings ( Lots 501-585 )
- Modern Pictures ( Lots 586 )
30. Oktober 1996
- Furniture and Decorative Arts, inculding Tapestries, Carpets, Antiquities, Arms and Armour, Literature and Sculpture ( Lots 601-774 )
- Coins and Medals ( Lots 801-1045 )
Zur Gruppe "Literature: Books and Manuscripts" ( Lots 738-760 ) gehörte ein Bestand von Theatertextbüchern und Libretti ( im Katalog: "Theaterstücke" ) vornehmlich des 18. und 19. Jahrhunderts ( Lots 749-760 ), nach den Angaben des Versteigerungskataloges ca. 2.890 Bände. Alle 12 Lots wurden von H. E. Weidinger ersteigert und erhielten den Namen "Komplex Mauerbach". Laut der Nummerierung der Büchlein durch das Autkionshaus handelt es sich dabei um genau 2.972 Stück, woraus sich laut dem jetzigen Katalogisierungsstand des Don Juan Archiv Wien in etwa 3.592 Theatertexte ausmachen lassen.
Wissenschaftliche Aufarbeitung der Theatertexte
Im Jänner 2007 hat das Don Juan Archiv Wien die Aufgabe übernommen, diesen von seinem jetzigen Eigentümer "Komplex Mauerbach" genannten Bestand an Theatertexten wissenschaftlich aufzuarbeiten. [mehr...]
ANMERKUNGEN
( 1 ) "Timeline. Restitution und Entschädigung in Europa nach 1945", in: Gedächtnis und Gegenwart. HistorikerInnenkommissionen, Politik und Gesellschaft. Informationen zur Politischen Bildung Nr. 20. 2003. S. 147-152, hier S. 149. [ zurück ]
( 2 ) Brigitte Bailer-Galanda. Die Entstehung der Rückstellungs- und Entschädigungsgesetzgebung. Die Republik Österreich und das in der NS-Zeit entzogenen Vermögen. Wien, München: Oldenbourg 2003, S. 562-563. Sowie vgl. Anja Heus. "Der 'Mauerbach-Schatz'", in: kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften. 2/1997, S. 25-28. [ zurück ]
( 3 ) Brigitte Bailer-Galanda, ebenda. [ zurück ]
( 4 ) Vgl. Mauerbach. Items seized by the National Socialists to be sold for the Benefit of the victims of the Holocaust. Versteigerung der von den Nationalsozialisten konfiszierten Kunstwerke zugunsten der Opfer des Holocaust. MAK-Österreichisches Museum für Angewandte Kunst. Christie's Vienna 29 and 30 October 1996. [ zurück ]
( gcp )
[Archiv]
[Texte zu DJA-Forschungsfeldern]
