In der Reihe "Österreichische Theaterschriften" des Don Juan Archiv Wien erscheint eine Serie der "Theatermanifeste". Diese oftmals vernachlässigte "programmatische" Gattung hat im Jahr 2003 eine allgemeine, wenngleich auf die Periode 1960-2000 eingeschränkte Darstellung erfahren (Joachim Fiebach: Manifeste europäischen Theaters. Berlin: Theater der Zeit, 2003). Der Wunsch, die intellektuellen Leistungen österreichischer Theater- sowie Performancekünstlerinnen und -künstler festzuhalten und aufzuzeigen und dadurch deren Stellenwert zu exponieren sowie die Einsicht, daß bisher keine europäische Region den Versuch einer Gesamterfassung der Manifeste "ihres" Theaters "von der Gegenwart zu den Anfängen" unternommen hat, veranlaßt zu folgender geplanter Sammlung.
Aufgenommen werden Texte österreichischer Kunst- und Kulturschaffender des Kulturfelds Theater (AutorInnen, DirektorInnen, AktionistInnen, PerformancekünstlerInnen, TheoretikerInnen, KritikerInnen, etc). Die Texte, verstreut erschienen in heute meist schwer erhältlichen Programmheften, Broschüren, Flugzetteln, Zeitschriften oder Büchern, werden mit einleitenden Worten vorgestellt. Es sind Beiträge verschiedenen Umfangs - verloren gegangene, nur bibliographisch nachweisbare Texte, Erklärungen in wenigen Zeilen, auch mehrseitige Abhandlungen. Die mittlerweile historischen Texte zeigen theoretische Überlegungen und praktische Handlungsanweisungen zum und über Theater, zu theatralen Phänomenen und Aktionen - aufschlußreiche, wohl meist vergessene oder verloren geglaubte Schriften aus der Geschichte des österreichischen Theater - seine "Manifeste".
Der erste zum Druck vorbereitete Band enthält Manifeste, die in den Jahren 1945 bis 1975 entstanden und erschienen sind. Es folgen Manifeste aus den Jahren 1976 bis 2006. Die weiteren Bände werden die Manifeste seit Beginn des Theaters in Österreich aufnehmen und bis zum Jahr 1945 führen.