Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag
Heiliges Grab mit Kreuzreliquie (2015)
Professor Geissler untersucht das Heilige Grab (April 2018)

 

Das Heilige Grab der Kirche Mariä Himmelfahrt in Straning*

Die Straninger Kirche wurde in den Jahren 1741/42 bis 1752 unter Pfarrer Ludwig Tauchner errichtet. Sie ist eines der schönsten Denkmäler barocker Baukunst in unserer Gegend und – wie ich zumindest mit Blick auf Pfarrkirchen sagen würde – auch darüber hinaus. Zu dieser Zeit war es sehr beliebt, am Karfreitag und Karsamstag ein Heiliges Grab zu errichten, in dem der Corpus Christi wirkungsvoll inszeniert lag, von Lichter und Blumen, teilweise von Figuren, teilweise von einer Kulissenarchitektur umgeben. Es war jener Ort, an dem das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt wurde. Dieser Brauch machte eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Unter Kaiser Joseph II. wurde die Aufstellung von aufwendigen Heiligen Gräbern 1783 verboten, fest eingebaute Exemplare sollten entfernt werden. Entgangen sind dieser Reform zum Glück etwa die Heiligen Gräber in Großweikersdorf und Stift Zwettl und – auf Umwegen – jenes aus Mödring, das ursprünglich wohl aus dem Piaristenkolleg in Horn stammt, worüber ich kürzlich in der Zeitschrift Das Waldviertel berichtet habe (Jahrgang 67, 2018, Heft 2, S. 217–234).

Im frühen 19. Jahrhundert kam es zu einer Rückbesinnung und in den Jahrzehnten nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) kann von einer regelrechten Mode gesprochen werden, Heilige Gräber zu errichten. Beliebt waren die Jugendstil-Bauten der Olmützer Firma Zbitek, von welchen ein jüngst renoviertes in Drosendorf zu sehen ist. Die Straninger Kirche erhielt damals einen wichtigen Teil ihrer Innenausstattung (besonders die überlebensgroßen Skulpturen sind zu nennen), und man entschied sich, das Heilige Grab von nun an nicht mehr jedes Jahr auf und wieder abzubauen, sondern in der vormaligen zweiten Sakristei (vorne links) eine fixe Holzarchitektur einzubauen. Das geschah, wie die Pfarrchronik berichtet, im Jahr 1881. Obwohl ich im Rahmen eines Projektes zu Passion und Theater in der Barockzeit sehr viele Kirchen besucht habe und die einschlägige Literatur kenne, so ist mir doch aus dem späten 19. Jahrhundert bislang nichts Vergleichbares bekannt.

Auch von der Motivik her ist das Straninger Heilige Grab bemerkenswert, werden doch Szenen des Ostersonntag dargestellt: links die drei Marien, die das Grab besuchen, um den Leichnam des Herrn zu salben, rechts Johannes und Petrus („Apostellauf“). Es mag heutzutage irritieren, dass zwei Personengruppen dargestellt werden, die den Evangelien zufolge zum leeren Grab kommen, und das in einer Szenerie, in welcher der Corpus Christi ein zentrales Element ist. Diese Kombination von Tod und Auferstehung in einem Bild steht in der Tradition komplexer barocker Bildprogramme und ist unter anderem in der letzten der acht Passionsszenen außen an der Horner Stefanskirche zu finden. Die Andacht der Gläubigen wird damit auf den Zusammenhang zwischen Tod und Auferstehung gelenkt. Wirklich vollständig werden diese Heiligen Gräber, sobald die Aussetzung des Allerheiligsten erfolgt ist: Denn dadurch wird das Gedenken an das Vergangene um den Aspekt der kontinuierlichen Wiederholung dieses Opfers in der Eucharistie ergänzt. Aber das wird, selbst unter Theologen unterschiedlich eingeschätzt.

Doch was tun, wenn der Wurm drin ist? Um richtig auf den bemerkten Befall durch den Holzwurm reagieren zu können, wurde Professor Josef Geissler, Gründer des Museums für sakrale Kunst im Pfarrhof von Niedersulz und erfahrener Restaurator, eingeladen, sich das Heilige Grab anzusehen. Gemeinsam mit Waltraud Fink, Josef Greil und August Tauber fand am 12. April des Jahres ein Treffen statt, bei dem glücklicherweise festgestellt wurde, dass der Schaden bislang nicht allzu groß ist. Es besteht jedoch Handlungsbedarf. Zuerst sollte der Raum begast werden, im Anschluss daran würde Herr Geissler das Heilige Grab mit einem Holzschutzmittel einlassen. Ob sich eine größere Renovierung durchführen lässt, die nicht zuletzt die Trockenlegung des ganzen Raumes umfassen müsste, ist eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Wichtig ist es jedenfalls, jetzt aktiv zu werden und im ersten Schritt dieses seltene Kleinod zu sichern.

 

Matthias J. Pernerstorfer

 

 

* zuerst veröffentlicht unter dem Titel "Das Heilige Grab in unserer Kirche", in: Pfarrbrief der Pfarre Straning. Weihnachten 2018. Pfarrgemeinderat Straning 2018, S. [6–8].

 

 

Letztes Update: 31.01.2019