Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag
Autorin Dr. Jana Perutková, Ph.D.
Festredner Prof. DDr. Otto Biba (6. Juni 2016)
Buchpräsentation Jana Perutková (6. Juni 2016)

Buchpräsentationen

 

 

Jana Perutková: Der glorreiche Nahmen Adami

 

Trautsongasse 6/6, 1080 Wien
6. Juni 2016, 17 Uhr

JANA PERUTKOVÁ:
Der glorreiche Nahmen Adami.
Johann Adam Graf von Questenberg (1678–1752)
als Förderer der italienischen Oper in Mähren


Wien: HOLLITZER Verlag 2015
(= Specula Spectacula 4)

 

Festredner
PROF. DR. DR. H. C. OTTO BIBA
Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
Direktor der Abteilung Archiv – Bibliothek – Sammlungen

 

Im Anschluss wird zu Wein und Brot geladen

 

Zur Autorin

Jana Perutková (* 1968) ist seit 1996 am Institut für Musikwissenschaft der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität (Brünn, Tschechische Republik) tätig, seit 2013 als Dozentin. Habilitiert wurde sie aufgrund ihrer 2011 in Prag erschienenen Monographie František Antonín Míča ve službách hraběte Questenberga a italská opera v Jaroměřicích (Franz Anton Mitscha in den Diensten des Grafen Questenberg und die italienische Oper in Jarmeritz). In den Jahren 2005 bis 2011 leitete sie zwei international erfolgreiche Projekte zur italienischen Oper in Mähren in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie zur Erforschung des Opernrepertoires in den böhmischen Ländern der Barockzeit. Perutková organisiert internationale musikwissenschaftliche und interdisziplinäre Konferenzen und Workshops, seit 2013 auch in Zusammenarbeit mit dem Don Juan Archiv Wien.


Zum Buch

Der gelehrte Förderer der schönen Künste, Johann Adam Graf von Questenberg (1678–1752), machte aus seinem Schloss im mährischen Städtchen Jarmeritz (Jaroměřice) ein kulturelles Zentrum Mitteleuropas. In regem Austausch mit renommierten Librettisten, Komponisten und Bühnenbildnern verwirklichte er in den Jahren 1722 bis 1752 mit seinem interpretatorisch hochstehenden Ensemble aus Untertanen und Bediensteten beinahe 200 Aufführungen musikdramatischer Werke. Der Graf war ein Musiker, Musikliebhaber und Mäzen, der sich an den musikdramatischen Produktionen vor allem des Wiener Kaiserhofes wie der italienischen Zentren der Opernpflege orientierte und ein internationales Netzwerk von Adeligen und Künstlern aufbaute, das ihm bei der Anlage seiner Musikaliensammlung behilflich war. Gleichzeitig war Questenberg mährischer Patriot: Er gab mehrere Opern in Auftrag, deren Schauplatz Jarmeritz ist, und spielte innerhalb der musikliebenden aristokratischen Gesellschaft Mährens eine zentrale Rolle.
Jana Perutková erschließt umfassend die reichhaltigen archivalischen Quellen (Korrespondenzen aller Art, Rechnungen, Inventare, Untertanenverzeichnisse, Matrikeln etc.) und erweitert die Kenntnis der Questenbergschen Musikaliensammlung, basierend auf Recherchen in Bibliotheken und Archiven ganz Europas, um 43 von ihr identifizierte Partituren. Zusammen mit den Libretti ermöglicht das eine detaillierte Beschreibung des musikalischen Betriebs in Questenbergs Wiener Palais und auf seinen Herrschaften, besonders in Jarmeritz – sowohl aus musik- und theaterwissenschaftlicher als auch aus allgemein historischer Perspektive. Zudem enthalten die rund 500 erhaltenen Briefe von Questenbergs Wiener Hofmeister Georg Adam Hoffmann bislang unbekannte Informationen zum Musik- und Theaterleben am Wiener Kärntnertortheater sowie am kaiserlichen Hof, zu künstlerischen Persönlichkeiten wie Giovanni Bononcini, Nicola Porpora, Antonio Caldara oder Giuseppe Galli Bibiena und nicht zuletzt über die Wiener höfische Gesellschaft.


Informationen zum Buch

 

 

 

Walter Puchner: 1000 Jahre Schattentheater im Mittelmeerraum

 

 

Vortrag & Buchpräsentation

14. Oktober 2015, 18:30 Uhr

Trautsongasse 6/6, 1080 Wien


WALTER PUCHNER:

Das neugriechische Schattentheater Kragiozis

Wien: HOLLITZER Verlag 2014
(= Ottomania 4)

 

 

Zum Autor

WALTER PUCHNER (geb. 1947 in Wien) studierte Theaterwissenschaft an der Universität Wien und habilitierte ebenda (1977). In den Jahren 1977–1989 lehrte er an der Universität Kreta. Von 1990 bis 2011 war er als Vorstand des Instituts für Theaterwissenschaft an der Universität Athen tätig. Seine akademische Laufbahn umfaßt u. a. Lehrtätigkeit an der Universität Wien, Gastprofessuren in Wien und Graz, sowie zahlreiche Vorträge an europäischen und amerikanischen Universitäten. 1994 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ernannt, 2001 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Zum Buch

Walter Puchners Studie „Das neugriechische Schattentheater Karagiozis“ wurde vom Don Juan Archiv Wien 2014 als vierter Band der Reihe Ottomania im Hollitzer Verlag zum Druck gebracht. Das neugriechische Schattentheater ist der letzte Zeuge einer einst im ganzen östlichen Mittelmeer verbreiteten Spieltätigkeit. Dieses fachlich scheinbar periphere Phänomen führt den Untersuchenden sehr bald schon in zentrale Bereiche von Theaterwissenschaft und Neogräzistik, die nur von wenigen Spezialisten umfassend bearbeitet werden kann, da die griechische Forschung aufgrund der Sprachschranke schwer zugänglich und überdies sehr verstreut ist. Die Einschätzungen des Schattentheaters weisen zudem bedeutende Divergenzen auf, die vom „Epiphänomen türkischer Provenienz“ bis zum „einzig echten griechischen Volkstheater“ reichen. Diese Ansätze macht der Autor zum Ausgangspunkt seiner nun publiziert vorliegenden Studie – und spannt in seinem Referat über „1000 Jahre Schattentheater im Mittelmeerraum“ den Bogen noch weiter, vom Mittelalter bis in die Gegenwart.


Informationen zum Buch

 

 

Robert Schindel: Don Juan wird sechzig

 

 

Buchpräsentation

25. März 2015, 18:30 Uhr

Trautsongasse 6/6, 1080 Wien


ROBERT SCHINDEL:

25. März 2015

Wien: HOLLITZER Verlag 2015

 

 

Zum Autor

ROBERT SCHINDEL (geb. 1944 in Oberösterreich), ist vielfach ausgezeichneter Lyriker, Autor und Regisseur. Werke u. a. die Romane Gebürtig (1992) und Der Kalte (2013), beide bei Suhrkamp erschienen..

 

Zum Buch

Der große österreichische Schriftsteller Robert Schindel als Dramatiker voller Poesie, leidenschaftlich und weise.

Wir sind eingeladen in ein elegantes Wiener Wohnzimmer. Der soignierte Privatier Joseph Herzog wird sechzig. Sein treuer Freund Konstantin - Leporello - hat einen Rat für den alternden, zweifelnden Don Juan: „Suche dir von allen, die du, die dich geliebt, die Wichtigsten, die Schwierigsten, die Wachesten heraus.“ Und dann beginnt das Fest, zu dem sie alle kommen werden. Die große Party für den Jubilar. Oder ist es eine Höllenfahrt?

Auf 76 Seiten erfahren wir mehr über das Leben und die Liebe als in so manchem Roman. Faszinierend heutige Dialoge und lebendige Erinnerungen an Paris, Berlin und Prag verschmelzen zu einem Kammerstück des Aufbegehrens gegen das Altern.

Informationen zum Buch

 

Einführende Worte zur Buchpräsentation von Matthias J. Pernerstorfer

Zur heutigen Lesung von Robert Schindel möchte ich Sie herzlich begrüßen.

Der 250ste Geburtstag von Wolfgang Amadé Mozart wurde 2006 allerorts gefeiert, und so verwundert es wenig, dass auch der Don Giovanni zu seinen Ehren kam. Robert Schindels Libretto des „heiteren Dramas“ Don Juan wird sechzig und dessen Vertonung durch Dirk D’Ase entstanden ebenfalls in diesem Zusammenhang, wenngleich der hier präsentierte Don Juan namens Joseph (Joschi) Herzog in einer völlig anderen, ab der Romantik bedeutsamen Tradition steht als jener aus der Feder von Lorenzo da Ponte.

Auffällig ist nun, dass die dem Stück zugrundeliegende Konstellation gerade in den Jahren 2005/2006 mehrfach aufgegriffen und in Szene gesetzt worden ist: Ein melancholisch-lustloser Don Juan begibt sich auf eine Reise an vergangene Orte zu verflossenen Geliebten, um die Lust, die ihm im Laufe der Zeit vergangen ist, und Sinn – ein Kind – zu suchen.

In Wim Wenders’ Don’t Come Knocking (2005) bricht der „abgehalfterte Don Juan“ Sam Shepard alias Howard Spence aus seiner durch Alkohol- und Drogenexzesse sowie Frauengeschichten geprägten Lebenswelt eines Westernschauspielers aus. Von seiner Mutter, die er Jahrzehnte nicht gesehen hat, über die Existenz eines Sohnes informiert, macht er sich auf die Suche und findet am Ende nicht nur Earl, sondern er wird auch – ich würde sagen auf dem Wege der Intuition – von seine Tochter Sky gefunden.

In Jim Jarmuschs Broken Flowers (2005) ist es Bill Murray alias Don Johnston, der sich von seinem gewieften Nachbarn und Freund Winston mit den notwendigen Informationen ausgestattet, auf den Weg macht. Er folgt einer Fährte, die ihm ein rosaroter Brief ausgelegt hat: Es soll einen Sohn geben; wer die Mutter ist, wird nicht gesagt. Meines Erachtens ist eindeutig, dass es sich um einen gefakten Brief von seiner Freundin Sherry handelt, die mit ihm Schluss macht, während im Hintergrund Ingmar Bergmans Dom Juan (1955) im Fernseher läuft. Die Reise zeigt weniger des Rätsels Lösung, als die psychologische Dynamik, die sich durch diese Möglichkeit der Existenz eines Kindes ergibt – und zwar sowohl in Don Johnston als auch im Publikum. Der Wunsch, die Frage beantworten zu können, wer denn nun der Sohn ist, verdrängt letztlich jene, ob es denn überhaupt einen Sohn gegeben hat.*

Vergangene Orte, verflossene Geliebte…

Passed Places lautet der Titel der hinter mir hängenden großformatigen Tapisserie von Margot J. Pernerstorfer (2005). Auf den ersten Blick ist eine rosa gekleidete Frau zu sehen, die in einer idyllischen Landschaft auf eine massive Gesteinsformation zugeht, auf den zweiten erkennt man sie sitzend. Passed Places – die Frau sucht einen Ort ihrer Vergangenheit auf, und nimmt damit – so deute ich die Szenerie – die Einladung des Steinernen Gasts an. Die Tapisserie bannt die Konsequenz davon, den Moment des regungslosen Blicks zurück. Sitzend erinnert die Frau an Bill Murray in der ersten Szene von Broken Flowers – doch wird sie ein Winston oder wie in Robert Schindels Don Juan wird sechzig ein Konstantin wieder in Bewegung setzen?

Damit möchte ich schließen, gebe das Wort weiter an die Moderatorin des heutigen Abends, Elvira Gross, und freue mich auf die Lesung von Robert Schindel. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung.

 

* Wenn man Alfred Hitchcocks Die Vögel (1963) sieht, stellt sich etwas Vergleichbares ein: Man kann sich kaum erwehren, nach einem Grund für das Verhalten der ausrastenden Vögel zu suchen und scheinbare Hinweise, etwa die beiden im Käfig eingesperrten Vögel, zu deuten – ich möchte von einem „Vögel-Syndrom“ sprechen –, und das, obwohl doch gerade das Fatale von Ursachensuche und Schuldzuweisung in Katastrophensituationen ein zentrales Thema des Films ist.

 

Letztes Update: 13.05.2018