Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag
Paul S. Ulrich
Paul S. Ulrich erläutert seine Bestände
Materialien aus der „Sammlung Paul S. Ulrich“
Band 1 der Reihe Topographie und Repertoire des Theaters zu Wiener Theatern (1752–1918)
Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik. Fundstellennachweis aus deutschsprachigen Nachschlagewerken und Jahrbüchern [= Biographical Index for Theatre, Dance and Music Master Index of German-language Biographical Directories and Yearbooks]. Band 1, A-L. Berlin: Berlin-Verlag 1997.
Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik. Fundstellennachweis aus deutschsprachigen Nachschlagewerken und Jahrbüchern [= Biographical Index for Theatre, Dance and Music Master Index of German-language Biographical Directories and Yearbooks]. Band 2, M-Z. Berlin: Berlin-Verlag 1997.

Sammlung Paul S. Ulrich

 

Paul S. Ulrich (* 14. Jänner 1944, Lebanon, Pennsylvania, USA) war Bibliothekar der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (pensioniert). Er ist Vorsitzender der Gesellschaft für Theatergeschichte, Schatzmeister der Thalia Germanica und Verfasser von zahlreichen Büchern und Aufsätzen zu Theater und Bibliothekswesen. Seit Mitte der 1980er Jahre befasst er sich mit Theatergesetzen, SouffleurInnen, dem Personal und dem Repertoire von deutschsprachigen Theatern sowie deutschsprachigen Theateralmanachen bis zum Jahre 1918. Derzeit erstellt er eine umfangreiche Bibliografie von sowohl universalen als auch lokalen Theateralmanachen und -journalen.

Wichtigste Veröffentlichungen: Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik. Fundstellennachweis aus deutschsprachigen Nachschlagewerken und Jahrbüchern (Berlin: Berlin-Verlag 1997) und gemeinsam mit Lothar Schirmer Das Jahr 1848. Kultur in Berlin im Spiegel der Vossischen Zeitung (Berlin: Gesellschaft für Theatergeschichte 2008) (Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte 78). Von 1994 bis 2008 Herausgeber von SIBMAS International Directory of Performing Arts Collections.

 

Zur „Sammlung Paul S. Ulrich“

Mit seiner imposanten Sammlung und Auswertung von lokalen Theaterjournalen und Universalalmanachen aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus zeigt Paul S. Ulrich den unschätzbaren Wert, den diese bislang vernachlässigten Quellen für die Theaterforschung haben. Auf lokaler Ebene sind Theaterjournale, in der Regel von SouffleurInnen auf eigene Kosten hergestellt und als Zusatzverdienst verkauft, seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts fester Bestandteil des Theaterlebens. Sie bieten in einer Rückschau auf die vergangene Saison einen Überblick über das Personal und das Repertoire, enthalten oft auch Gedichte, Anekdoten oder Couplets. In dieser Hinsicht sind Theateralmanache und -journale verlässlicher als Theaterzettel, diese geben in der Regel zwar keine Rollenbesetzungen wieder, verzeichnen jedoch chronologisch die tatsächlich aufgeführten Stücke.

Paul S. Ulrich hat 270 universale Theateralmanache und 6.300 lokale Theaterjournale aus dem Zeitraum zwischen 1772 bis 1918 nachgewiesen und alle universalen und aktuell über 4.300 lokale bibliographisch und inhaltlich ausgewertet. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen geringen Teil der Gesamtproduktion, die auf 100.000 Almanache und Journale geschätzt wird: die bislang nachgewiesenen Almanache, Journale und Kalender stammen aus 250 Orten, die zwar mit Berlin, Dresden, Hamburg, München oder Wien die großen Theaterorte einschließen, jedoch nur ein knappes Zehntel jener Orte ausmachen, an denen in diesem Zeitraum nachweislich Theater gespielt wurde.

In Bibliotheken, Archiven und Museen sind Theateralmanache nicht immer leicht zu finden, da sie noch nicht oder nicht einheitlich erfasst sind, zudem erschweren die Vielfalt der Titel (Almanach, Journal, Kalender, Taschenbuch, aber auch Repertorium, Abschieds-Journal, Neujahrs-Journal, Souvenir, Oster-Ei zum Schluß der Saison oder Märzblümchen) und Titelabweichungen das Auffinden.

In einem gemeinsamen Projekt zur Theaterpublizistik von 1750 bis 1918 wird ein digitales Archiv aufgebaut. 2015 sollen Paul S. Ulrichs bibliographische Daten zu den Theateralmanachen, verknüpft mit den jeweiligen Digitalisaten, über die Homepage des Don Juan Archivs Wien online zugänglich gemacht werden.

Ein Bericht zu diesem Projekt ist unter dem Titel „Bibliographische Forschung als Grundlage für Digitalisierungsprojekte, Oder: ‚Theaterpublizistik 1750–1918 digital‘“ in Band 1/2015 der AKMB-news, S. 18–21, erschienen.

 

Publikation der inhaltlichen und bibliographischen Auswertungen

In der Reihe Topographie und Repertoire des Theaters, die das Don Juan Archiv Wien der Erschließung von Quellen zur Theatergeschichte widmet, werden die inhaltlichen Auswertungen Paul S. Ulrichs sowie die bibliographischen Daten zu den Theaterjournalen und -almanachen zur Publikation gebracht.

Der erste Band dieser Reihe, erschienen im April 2018 im Hollitzer Verlag, ist Wien gewidmet: Wiener Theater (1752–1918). Dokumentation zu Topographie und Repertoire anhand von universalen Theateralmanachen und lokalen Theaterjournalen. Mit einem Überblick zu Zeitungen mit Theaterreferaten und deren Referenten.

Der Band Wiener Theater (1752–1918) wurde am 16. Oktober 2018 in der Musiksammlung der Wienbibliothek präsentiert.

 

Veröffentlichungen von Paul S. Ulrich zu Theateralmanachen und -journalen

  • „'Wenn Leute vom Theater reden, / Gedenken meiner selten sie', Gedichte der Souffleure in Hermannstadt, Kronstadt und Temesvar“, in: Hortus amicorum. Köszöntökötet Egyed Emese tiszteletére, hg. von Katalin Ágnes Bartha, Annamária Biró, Zsuzsa Demeter u. Gabriella-Nöra Tar. Cluj-Napoca: Erdélyi Müzeum Egyesület 2017, S. 361-376.

  • „Die Meininger im Spiegel der Theateralmanache des 19. Jahrhunderts“, in: Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826-1914). Kultur als Behauptungsstrategie?, hg. von Maren Goltz, Werner Greiling u. Johannes Mötsch. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag 2015 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe 46), S. 327-355.

  • „Bühnenalmanache als Quelle zu den schlesischen Kurtheatern bis 1918“, in: Jahrbuch für schlesische Kultur und Geschichte Band 53/54 (2012/2013), hg. von Winfried Irgang, Dietrich Meyer, Karel Müller, Johannes Schellakowsky u. Ulrich Schmilewski. Insingen: Verlag Degener & Co. 2015, S. 361-444.

  • „Eine statistische Untersuchung des Repertoires deutschsprachiger Theater im Vormärz in Agram, Arad, Fünfkirchen, Hermannstadt, Laibach, Öedenburg und Temesvár“, in: JDeutsche Sprache und Kultur im Banat. Studien zur Geschichte, Presse, Literatur und Theater, sprachlichen Verhältnissen, Wissenschafts-, Kultur- und Buchgeschichte, Kulturkontakten und Identitäten, hg. Wynfrid Kriegleder, Andrea Seidler u. Jozef Tancer. Bremen: edition lumière 2015 (Presse und Geschichte. Neue Beiträge 87), S. 105-133.

  • „Theaterzettel und Theateralmanache – Quellenkritische Anmerkungen“, in: Theater – Zettel – Sammlungen. Erschließung, Digitalisierung, Forschung, hg. von Matthias J. Pernerstorfer. Wien: Hollitzer Wissenschaftsverlag 2012 (Bibliographica 1), S. 3–26.

  • „The 19th Century Souffleur-Journal in Brünn. Example of a Tradition Largely Ignored in Theatre Research”, in: Deutsches Theater im Ausland vom 17. zum 20. Jahrhundert. Interkulturelle Beziehungen in Geschichte und Gegenwart, hg. gemeinsam mit Horst Fassel und Otto G. Schindler. Berlin: LIT-Verlag 2007 (Thalia Germanica 3), S. 123–145.

  • „Pankratius Brüllers Vermächtnis. Der Souffleur und seine Theateralmanache und -journale“, in: Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft (2000/2001), S. 157–181.

  • „Sources for German-Language Theatre Research. Theatre Almanacs, Yearbooks and Journals“, in: Die Geschichte des deutschsprachigen Theaters im Ausland. Von Afrika bis Wisconsin – Anfänge und Entwicklungen, hg. von Laurence Kitching. Frankfurt/Main: Peter Lang 2000 (Thalia Germanica 2), S. 127–165.

  • „Abonnement Suspendu der Unterirdischen Gedächtnisstützen. Souffleurjournale und -almanache, Quellen der deutschen Theatergeschichte“, in: Aktuelle Tendenzen der Theatergeschichte. Berlin: Gesellschaft für Theatergeschichte 1997 (Kleine Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte 37/38), S. 83–101.

  • „The Role of Souffleur Journals in the 19th Century as exemplified by those of the Meiningen Theatre”, in: Der Milde Knabe, oder: Die Natur eines Berufenen. Ein wissenschaftlicher Ausblick, hg. von Georg Geldner. Wien: Böhlau 1997 (Mimundus 9), S. 77–111.

  • „Deutschsprachige Theateralmanache im 18. und 19. Jahrhundert“, in: Almanach- und Taschenbuchkultur des 18. und 19. Jahrhunderts, hg. von York-Gothart Mix. Wiesbaden: Harrassowitz 1996 (Wolfenbütteler Forschungen 69), S. 129–142.

  • „Zum Besten des Souffleurs. Souffleur-Journale und -Almanache. Zeugnisse des deutschsprachigen Theaters des 18. und 19. Jahrhunderts”, in: Bücher-Markt 5/5 (1996), S. 12–15.

  • A Preliminary Bibliography of German-Language Theatre Almanacs, Yearbooks, Calendars and Journals of the 18th and 19th Centuries. Wien: Böhlau 1994 (Maske und Kothurn, 35/4 1989).

  • „Die Bedeutung deutschsprachiger Theater-Almanache für die Geschichte des Theaters im 19. Jahrhundert“, in: Die Fürstliche Bibliothek Corvey. Ihre Bedeutung für eine neue Sicht der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts, hg. von Rainer Schöwerling und Hartmut. München: Fink 1992, S. 267–280.

  • “German Theatre Almanacs and Yearbooks of the 19th Century as Sources for Documenting Theatrical Activities of Touring Performers”, in: Records and Images of the Art of the Performer. SIBMAS. 18th International Congress, Stockholm 3–7 September 1990. Stockholm: SIBMAS 1992, S. 63–68.

 

Die vollständige Liste von Veröffentlichungen von Paul S. Ulrich ist auf der Website der Gesellschaft für Theatergeschichte zu finden.

Letztes Update: 29.11.2018