Don Juan Archiv - Wien, Forschungsverlag

Albert Schatz-Collection, Washington, Library of Congress (Libretti von 1600-1906)

 

Zusammenfassung und Auswertung des Artikels:

Mark Evan Bonds: The Albert Schatz Opera Collections at the Library of Congress: A Guide and a Supplemental Catalogue. in: Notes. Quarterly Journal of the Music Library Association, June 1988, vo. 44, nr. 4, p. 655-695.

Die Albert Schatz-Manuskripte

Sie enthalten laut Mark Evan Bonds das meiste von Albert Schatz gesammelte Material, werden aber bei weitem nicht so gewürdigt wie die Libretto-Sammlung.

Der "Handkatalog" und Mark Evan Bonds' "Supplemental Catalogue":
Er ist der einzige Teil der Manuskripte, die direkt mit der Libretto-Sammlung korrespondiert. Außer für Sonneck's Catalogue diente er auch als Ordnungsbasis zur Verfilmung der Schatz-Libretti in den frühen 1970ern durch das Photoduplication Service der Library of Congress.

Die alphabetische Ordnung nach Komponisten endet bei Nummer 11296. Danach schließt sich eine titelalphabetische Reihung mit Anonyma an (11297-11387). An dieser Stelle - schon einige Jahre vor dem Verkauf - hören die Einträge von Schatz auf. Vom noch übrigen Bestand der Collection (850 Titel, immerhin 7%) konnte Sonneck etwa 150 Stück in seinen Catalogue integrieren, der Rest (700) war bis zum Zeitpunkt von Bonds' Artikel nicht katalogisiert worden (Bonds, p. 657-568). Bonds fügt seinen Erläuterungen einen "Supplemental Catalogue" mit eben diesen 700 Stücken an (Bonds, p. 665-695) und sieht darin eine "einstweilige Suchhilfe" bis zum Zeitpunkt der Katalogisierung. (Mittlerweile ist die Katalogisierung der 11387 Schatz-Libretti durch die University of Virginia geschehen: siehe Schatz-Collection. Dies betrifft aber nicht die noch offenen 700 in Bonds' Supplement). Von den etwa 550 Drucken des Supplement-Teils mit Druckortangabe verteilen sich die Libretti auf die einzelnen Länder wie folgt: ca. 330 Drucke aus Deutschland (inkl. Breslau, Bunzlau, Danzig, Königsberg), ca. 90 aus Österreich (davon allein 70 aus Budapest und Kassán, dem heutigen Košice, und vier aus Prag, nicht unbedingt in ungarischer oder tschechischer Sprache, sowie um die 15 aus Wien), ca. 65 aus Italien, an die 40 aus Frankreich (ausschließlich Paris) und ungefähr 20 aus London. Die Schweiz, Belgien, Niederlande, Portugal, Spanien und Russland sind mit je einem Textbuch vertreten.

Nur 424 Drucke im Supplement sind datiert. Von diesen stammen bloße 18 aus dem 18. Jahrhundert (ältestes Werk:  Der eiserne König nebst Musicalischer Serenata, Hamburg, Philipp Ludwig Stromer, 1719). Hochgerechnet auf die verbleibenden 276 undatierten Libretti dürften die Texte aus dem 18. Jahrhundert kaum die Anzahl von 30 überschreiten. Das jüngste Stück ist Ion der Apollonide mit der Musik von François Servais nach Leconte de Lisle, Berlin, Albert Ahn, 1898.

Der "Handkatalog" und Bonds' Supplement helfen auch dabei, Werke, die Sonneck nicht in seinen Catalogue aufnahm, aufzuspüren: neben den Libretti nach dem Druckjahr 1799 zählen dazu zum Teil Oratorien- und Kantaten-Texte, Messen, Requien und Schauspiele mit Musik, sowie Werke aus Sammelbänden und handschriftliche Libretti. Interessanterweise finden sich auch zwei Schauspiele darunter: Von Johann Michael Demmler Triumph der christlichen Religion (Trauerspiel, Augsburg, 1776) und das Schauspiel Elias nach Gustav Nieritz, bearbeitet von G.P.W. Stolz, o.O. 1868.

Das restliche Manuskript-Material:
Es setzt sich aus über 100.000 Einzelteilen zusammen, die in mehrere Kategorien unterteilt sind. Bonds erläutert sie in seinem Artikel: Es enthält eine Tag-für-Tag-Chronik von Opernaufführungen vom 16. Jahrhundert bis zum Jahr 1900, eine Chronologie von Opernaufführungen in mehr als sechzig Städten, einen Index von OpernsängerInnen des 18. Jahrhunderts und einige Studien zu 35 Komponisten des 18./19. Jahrhunderts. Die Ausarbeitung des Materials gestaltet sich allerdings durch eine teils chaotische Organisation desselben als schwierig. Schatz gibt selten die Quellen für seine gesammelten Informationen an. Er bezieht sie meist aus anderen Librettokatalogen (Allacci, Groppo, Wiel, Wotquenne), aber auch einfach aus persönlichen Korrespondenzen u.a. mit dem Historiker Manuel de Carvalhaes und den Musikologen Hugo Goldschmidt und Giovanni Salvioli. Besonders zur Erfassung des deutschen Repertoirs verwendet Schatz Almanache, Jahrbücher und Chroniken von Städten und Theatern.

Das Photoduplication Service der Library of Congress hat die Manuscript-Collection in den frühen 1970er Jahr auf Mikrofilm (115 Rollen) herausgegeben. Vor ihrer Verfilmung ordnete der damalige Leiter der Musikabteilung der Library of Congress, Jon Newsom, die Manuskripte. Sie wurden dann allerdings nach den inhaltlichen Richtlinien auf der Karteikarte photographiert. Bonds führte in folgendem Inhaltsverzeichnis Newsom's System mit dem Mikrofilm-Ergebnis zusammen (Bonds, p. 660-665):

Group I (3 reels): 37 gebundene Notizhefte mit werkspezifischen Studien über 14 Komponisten: Cimarosa, Galuppi, Gluck, Graun, Guglielmo Pietro, Hasse, Jommelli, Mayr, Paër, Paisiello, Piccini, Sacchini, Sarti. Zeitlich chronologischer Index der Werke, titelalphabetischer Index, chronologische Liste der Aufführungen von allen Opern des jeweiligen Komponisten, alphabetische Liste von Aufführungsstädten und Theatern. Librettisten-Index. Oft mit Besetzungslisten, manchmal mit Nachrichten zu Folgeaufführungen. (siehe Group IX)

Group II (2 reels): "Handkatalog" der Libretto-Collection. Alle Einträge meist mit: gekürzte Transkription des Titelblattes, Textdichter, Aktzahl, Format, Ort, Jahr. 11387 Einträge.

Group III (57 reels): Operngeschichte-Statistik: chronologischer Katalog von Opernaufführungen auf ca. 42.000 Karteikarten (ca. 14.000 bis 1799, der Rest bis 1900). Titel der Oper, alternativer Titel, Genre, Aktzahl, Komponist, Librettist, Jahr, Stadt, Theater.

Group IV-V (27 / 2 reels): alphabetischer Titel- und Autorenindex zu III.

Group VI-VII (1 / 1 reel): unkompletter Index von SängerInnen (v.a. 18. Jht.) im Zusammenhang mit Aufführungen und fragmentarischer Rollenindex, der Titel, Komponist, manchmal Aufführungsdatum nennt. Beides zu III.

Group VIII (1 reel): Frühversuch eines Komponistenindex zu III mit einer Biblographie von Sekundärquellen (Monographien, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Kataloge, Jahrbücher, Almanache), die Schatz heranzog.

Group IX (2 reels): ähnlich zu I, aber weniger detailliert. Studien zu 24 Komponisten: (18. und 19. Jht.): vom 18. Jht.: Andreozzi, Cherubini, Gluck, Guglielmi, Isouard, Jommelli, Philidor, Piccini, Portugal, Rinaldo di Capua, Rust, Salieri, Traetta, Winter. Bei diesen Studien werden auch die Übersetzungen genannt.

Group X (5 reels): 81 Städte: mit jeweils chronologischer Liste der Aufführungen, manchmal auch mit beigelegten Korrespondenzen oder Zeitungsausschnitten. Sehr unterschiedlich in Quantität und Qualität. ca. 50 deutsche Städte (historisch gesehen Breslau, Danzig, Königsberg, Riga, Reval miteingerechnet), gefolgt von Italien (12 Städte) und Österreich (6 Städte, historisch gesehen Prag, Brünn, Pressburg, Pesth miteingerechnet). Russland, Portugal, Großbritannien, Dänemark, Belgien und Frankreich sind mit jeweils ein oder zwei Städten vertreten.

Group XI (1 reel): unvollständiger Komponistenindex zu III.

Group XII-XIII (1 / 2 reels): Theaterzettel. Der Großteil ist aus Rostock  (Group XIII, ca. 1830-1890). Zwei Drittel von Group XII enthalten welche aus anderen Städten (2. Hälfte des 19, Jhts. u.a. St. Petersburg, Dresden, Breslau, London, San Franzisco)

Group XIV (2 reels): Finanzbelege von Schatz

Group XV (2 reels): Korrespondenzen ohne Ordnung

Group XVI (2 reels): chronologische Liste aller Lorelei-Opern, Libretti des Sängers und Schriftstellers Ernst Pasqué und Felice Romanis, Aufführungen von Così fan tutte und Don Giovanni, Aufführungen von Wagner-Opern (1836-1890), italienische Oper in Brüssel (1727-1730), Korrespondenz und Zeitungsausschnitte zu New Yorker Theatern (1824-1835), u.a. dem Park Theatre, Aufführungen am Nuovo Ducal Teatro in Parma (1829-1883).

Group XVII (3 reels): Entwurf zum Chronologischen Index in Group III. Alle Einträge sind durchgestrichen.

Group XVIII (1 reel): ein Notizbuch ähnlich zu Group I. Es beinhaltet Salviolis Artikel zu Farinelli im Archivo Veneto 19 (1880).

(hew / js)

 

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Letztes Update: 10.10.2014